Blaubacher Dorftheater

Aus Dorfgeschichte Blaubach
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Szene aus dem Stück "Der Stadtgockel"

Im Archiv gibt es auch einen Bericht über die Aktivitäten der derzeitigen Blaubacher Theatergruppe.

Das ursprüngliche Blaubacher Dorftheater wurde auf Initiative von Franz Dietrich in den 1970er Jahren als Laienspielgruppe gegründet. Das Theater führte insgesamt sechs Mundartenstücke auf, bei denen Franz Dietrich als Autor und Regisseur in Personalunion fungierte.

Bei den Bockenheimer Mundarttagen des Jahres 1982 wurde dem Ensemble der Preis der Emichsburg verliehen. Die Jury würdigte damit die besonderen Verdienste um Mundart, Dialektliteratur und regionale Kultur. Das Blaubacher Dorftheater war spätestens damit weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt und stellte später sogar auf der spanischen Ferieninsel Mallorca sein Unterhaltungstalent unter Beweis.

Franz Dietrich ließ seine Geschichten, inspiriert durch tatsächliche Begebenheiten – so zu entnehmen dem Programm zum Stadtfassel – in „Kusel oder irgendwo in der Pfalz“ spielen, wo sich Geschichten ereignen, die das Leben schreibt: Streitereien, Liebeleien, Freud und Leid sind die Zutaten derselben, gewürzt mit deftigen Sprüchen und Situationskomik haben sie den Grundstein für den Erfolg des Blaubacher Dorftheaters gelegt.

Mitglieder

Autor und Regisseur:

Hauptrollen:


Weitere Schauspieler


Bühnenbauer:

Die Witwe mit dem bunten Rock:

Szenen aus dem Stück "Die Witwe mit dem bunten Rock"

Mit diesem Stück debütiert das Blaubacher Ensemble. Im Zentrum steht – wie der Titel vermuten lässt – eine Witwe. Diese hat sieben Kinder und ist in ihrem Dorf nicht gern gesehen. Man meidet sie, prangert sie offen als Schandfleck an, doch offenbart sich schnell die Doppelmoral der Bürger. So sind die Männer, die nach außen vorgeben, nichts von der Dame zu halten, ihr im Verborgenen – und dies im wahrsten Sinne des Wortes, versteckt sich doch ein Verehrer gar in ihrem Schrank – derselben sehr zugetan. Will man die alleinstehende Frau mit ihren sieben Kindern am liebsten des Ortes verweisen, so kommt es am Ende doch noch zu einer überraschenden Wende: Die Witwe erbt ein Gasthaus sowie 30 000 Reichsmark und plötzlich wird aus der verachteten Frau eine Dame, die hofiert und heftig umworben wird. Zum Artikel

Der Maibaum:

Der Schwank spielt in Blaubach selbst um die Mitte des 19. Jahrhunderts und offenbart, wie schnell Menschen ihre Meinungen ändern können, sobald eigene Interessen ins Spiel kommen. In der Nacht zum ersten Mai bekommt die attraktive Lehrerstochter „Kätche“ einen Maibaum. Das wäre an sich eine schöne Geste, hätte der zunächst noch unbekannte Verehrer nicht den Garten des Schulmeisters zertrampelt und den Maibaum der Gemeinde zerstört. Die Empörung ist groß, der Gemeinderat tagt und sogar die Staatsgewalt wird eingeschaltet, um den in der Nachbarsgemeinde Erdesbach vermuteten Übeltäter zu finden und für eine Wiedergutmachung zu sorgen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass hinter dem Verehrer Kätchens ein Erdesbacher steckt – jedoch nicht irgendein Unhold, sondern einer, der in Blaubach die so dringend benötigte Schmiede und eine Wirtschaft eröffnen will. Nach dieser Erkenntnis wendet sich das Blatt und damit auch das Gebaren der Dörfler… Zum Artikel

Die Reweschnier:

Szenen aus dem Stück "Der Reweschnier"

Wer kennt es nicht – das berühmte Wappentier Blaubachs? Und da liegt doch die Frage nahe, warum das Dorf ausgerechnet einen Hirschkäfer zu seinem Symbol erkoren hat. Franz Dietrich hat sich in diesem Stück auf die Suche nach der Antwort begeben und die Anekdote, die man sich darüber erzählt, in Szene gesetzt: Heute hat jedes Dorf seine eigene Kirmes, früher jedoch war dies keine Selbstverständlichkeit. Um das Vorrecht, eine Kirchweih abhalten zu dürfen, zu erlangen, brauchte Blaubach die entsprechende Bewilligung des Herzogs von Zweibrücken. Dieser erklärte sich bereit, dieselbe zu erteilen, unter der Bedingung, dass ihm die Blaubacher einen „Bock“ vorbeibrächten. „Nichts einfacher als das“, sagten sich die gewieften, pfiffigen Dorfbewohner. Er möchte einen Bock – den soll er haben! Und sie brachten ihm den prächtigsten, den sie finden konnten. Groß war das Gelächter, als der Herzog und sein Gefolge denselben sahen: Statt eine Rehbocks hatten die findigen Blaubacher ihm einen Reweschnier, also einen Hirschkäfer, mitgebracht, der im hiesigen Dialekt auch als „Bock“ bezeichnet wird. Zum Glück hatte der Herzog nicht nur Humor, sondern auch ein Einsehen mit den Blaubachern und so erhielten sie letztlich doch noch ihre „Blaabacher Kerbb“ – und erhoben als Dank den Hirschkäfer zu ihrem (inoffiziellen) Wappentier. Zum Artikel

Der Fürst von Lichtenberg:

Auch dieses Stück basiert auf einer wahren Begebenheit: Einst zog ein Hochstapler durch die Lande, versprach den Bauern, ihre Äcker für einen stolzen Preis aufzukaufen. Alles nur ein schöner Schein, wie sich zum Schluss herausstellt, und der Blender erhält seine gerechte Strafe… Zum Artikel

Der Stadtgockel:

Zeitungsausschnitt mit dem Ensemble des Stücks "Der Stadtgockel"

Dieses Stück war der wahrscheinlich größte Erfolg aus der Feder Dietrichs. Er selbst hat den Inhalt in einem Vierzeiler festgehalten:

Herr Kunz hatt’ einen Gockelhahn, Der fing stets nachts zu krähen an. Herr Hinz, dem paßt das Krähen nicht, drum klagt er vor dem Amtsgericht.

Damit ist die Handlung treffend umrissen. Ein Gockel ist Stein des Anstoßes, zumindest ist er ein geeigneter Anlass für Herrn Hinz, seinen Kontrahenten Kunz, der es als Dirigent des örtlichen Gesangvereins gewagt hat, seine Sangeskünste infrage zu stellen und dessen Sohn sich ausgerechnet zu seiner Tochter hingezogen fühlt, vor Gericht zu zeigen, mit wem er sich angelegt hat. So mobilisieren die beiden Streithähne ihre Gefolgsleute und ziehen vor Gericht. Der Zuschauer wird Zeuge vom Streit im Ehebett, von Ausführungen über die Aktivitäten der „Jugend von heute“, einer Gerichtsszene, in welcher der Richter nicht nur von einer schwerhörigen Zeugin zur Verzweiflung gebracht wird, u.v.m.Zum Artikel

Der Stadtfassel:

Plakat von der Aufführung des Stücks "Der Stadtfassel".

Im letzten Stück des Dorftheaters sorgt erneut ein Tier für Zwist in der sonst so friedlichen Stadt Kusel. Ein Zuchtstier stößt einen französischen Offizier vom Pferd, der unerhörte Bedingungen zu seiner Entschädigung stellt. So verlangt er vom Pfarrer, dem Besitzer des Fassels, eine hohe Geldsumme. Darüber hinaus soll die junge Dienstmagd des Pfarrers, Elise, ihn gesund pflegen. Kurz: Das Vermögen des Pfarrers und die Tugend seiner Magd, die zudem noch eine Nichte desselben ist, stehen auf dem Spiel, was dieser sich natürlich nicht gefallen lassen kann.

Mit seinen Inszenierungen kleinerer und größerer Begebenheiten des Westpfälzer Alltags hat das Blaubacher Theater ein Stück Dorfgeschichte geschrieben und es hat mit seinem Erfolg auch andere Dörfer angespornt, mit eigenen Theatergruppen die schöne „Pälzer Mundart“ zu pflegen und Stücke rund um den dörflichen Alltag aufzuführen. Damit bleibt es als Urgestein Blaubacher Schauspielkunst unvergessen, auch wenn zwischenzeitlich leider sowohl der Verfasser seiner Stücke als auch tragende Säulen der Schauspieltruppe verstorben sind. Wer einen Einblick in das vielleicht bekannteste Stück der Blaubacher Mimen, den Stadtgockel, erhalten oder Erinnerungen daran auffrischen will, kann dies tun: Die Aufführung wurde gefilmt und liegt als DVD vor. Zum Artikel


Literaturangabe